Wandern durch den Böhmerwald

- von Böhmisch Eisenstein über Teufelsee - Schwarzen See und Künischen Grenzweg über den Osser -

von und mit Adi Zelzer

Die o.a. Tagestour starten wir mit Rucksackverpflegung und guter Berg- und Wetterausrüstung. Wir fahren mit dem Linienbus von Lam nach Böhmisch Eisenstein.

Weitere Einzelheiten siehe beiliegende Beschreibung „Wanderroute II“.
 
Nach ca. 1 ½ Stunden erreichen wir den Teufelssee (`Certovo jezero). Unbeschreiblich schön, wenn sich abends das Farbenspiel zwischen Sonne, Schatten und Wald im Wasser widerspiegelt. Der See ist 10,3 Hektar groß und hat eine Tiefe von 37 m. Er ist wie alle fünf böhmische Seeen von Gletschern der Eiszeit geformt.
Dabei sprechen wir den Schwarzen See (`Cerne jezero), den Lackensee (Jezero Laka), den Stubenbacher See (Prasilske Jezero) und den südlichsten, den Blöckensteinsee (Plesne Jezero) an. Der Teufelssee liegt in einer Höhe von 1030 m. Obwohl er um 20 m höher als der Schwarze See liegt, scheint er dunkler und trauriger zu sein. Den Touristen rät ein Sprichwort: Ist Nebel über dem See, regnet es noch vor dem Abend. (siehe Bild)
Der Sage nach soll hier ein guter Jäger gelebt haben, dessen Kugeln ihr Ziel nie verfehlt hätten. Es wurde ihm nachgesagt, dass er es mit dem Teufel zu tun und ihm seine Seele verpfändet hätte, wenn jede Kugel trifft. Diese Sage wurde später in der Oper von Carl Maria von Weber der „Freischütz“ nacherzählt.
Ob der Teufelssee wohl davon seinen Namen hat?
 
Wir aber wollen über den Schwarzen See in Richtung Gr. Osser und erreichen diesen nach ca. 45 min. Gehzeit. Der Wanderweg verläuft durch dichten Hochwald hinauf über den Spitzberg, welcher dort auch die europäische Wasserscheide bildet. Der Überlauf des Teufelssees fließt nach Süden in den Regen, weiter zur Donau und Schwarze Meer. 
Der Schwarze See ist der größte der Böhmerwaldseen. Er hat eine Fläche von 18,6 ha und ist ca. 4o m tief. Er liegt 1008 m hoch. Eingekeilt in die umgebenen Wälder macht er einen mächtigen Eindruck auf uns. Die dunkelgrüne Wasserfläche zerfließt in Form eines Dreiecks. (Siehe Bild) Er wird von der majestätischen Seewand in einer Höhe von 313 m überragt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde am befestigten Ufer ein Pavillon gebaut welcher 1904 abbrannte. Nach dem Brand des Pavillons wurde 1905 ein Restaurant gebaut. Mitte der zwanziger Jahre wurde es mit 22 Zimmern mit 65 Betten ausgebaut. In den fünfziger Jahren brannte es erneut nieder und wurde nicht mehr aufgebaut.
Der Dichter Jaroslav Vrchlicky nannte den Schwarzen See „eine Perle am Busen Böhmens“. Er schrieb auch die „Romanze vom Schwarzen See“.
Der Überlauf des Schwarzen Sees mündet in die Angel, in die Moldau und später in die Elbe und Nordsee.
 
Nach einer halben Stunde Rast gehen wir dem See entlang in Richtung Seewand und verlassen dann diesen in Richtung Norden hin zur Forststraße. (Siehe Bild) Nach einem kurzen Stück bergauf erblicken wir den Gr. Osser. Bis dahin haben wir noch gut 2 ½ Stunden vor uns. Wir gehen entlang der Forststraße ständig bergab und erreichen nach ca. 1Stunde den Wasserfall „Klammerloch“ (Bila strz) Der Wasserfall liegt ca. 100 m abseits vom Wanderweg und ist über einen steilen Weg, teils einer Treppe zu erreichen. Die Wassermassen stürzen teils bis sieben m tief. Es fließt in das Hammerner Tal und weiter in die Angel. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir den Gütlplatz. (Statecek) Genannt auch „Hof unter dem Osser“ . Dort stand früher ein Wirtshaus welches gerne von den jungen Burschen aus dem benachbarten Lamer Winkel besucht wurde. Wochenends marschierten die jungen Männer mit Holzschuhen und Socken aus Schafwolle ausgerüstet über den Osser hinab zum Gütlplatz zum Tanz. Wer seine Schafwollsacken noch unversehrt an den Füßen trug, dem wurde nachgesagt, er hätte dort keine Tänzerin bekommen.
 
Vom Gütlplatz führt eine Asphaltstraße hinunter nach Hammern (Hamry) und die Forststraße führt gerade aus Richtung St. Katharina (Svata Katerina) Von der dortigen Kreuzung führt eine breiter Gehweg, welcher sich später zu einem Trampelpfad verengt, hinauf zum Gr. Osser. Die Tschechen nennen die beiden Osser liebevoll: „Die Brüste der Mutter Gottes“. ( Prsa matky Bozi) Wir befinden uns nun auf der Ostseite des Ossermassives, nach Osten hin weit offen, der Blick reicht hinüber auf die Bergkette von Panzer (Pancir),  Brückel  (Mustek) und Brennet (Prenet) und hinunter in das Hammerner Tal. Hier waren bis zur Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg mehrere künische Freibauern angesiedelt. Ihre Besitztümer reichten von St. Katharina ca. 70 km weit Richtung süd-osten. Ihre Geschichte geht bis auf das Jahr 1273 zurück. Den Geschichtsbüchern zufolge wurden durch den böhmischen König Leute hauptsächlich aus dem bayerischen Raum angeworben. Sie wurden mit großen Privilegien ausgestattet, wie Fischereirecht, Baurecht, Jagdrecht, Recht auf Branntweinerzeugung und Recht auf freie Verfügung über ihren Besitz. Später folgte dann noch das Recht auf Ausübung der Gewerbe und des Handels. Ihre Verpflichtung gegenüber dem Landesherrn war die Verteidigung der Landesgrenze. Diese Privilegien wurden in den kommenden Jahrhunderten ständig durch den König als Pfandgut in die Hände verschiedener Adelsfamilien gegeben. Erst im Jahre 1793 wurden die königlichen Privilegien durch Kaiser Franz II. bestätigt.
Die künischen Freibauern hatten ihr eigenes Wappen und die Losung: „Niemands Herr und niemands Knecht, das ist künisch Bauernrecht.“
 
Hier am Gütlplatz treffen wir erstmals auf den Wanderweg, welcher nach der Grenzöffnung von Lam über den Osser hinunter nach Hammern führt. Er trägt auch zur Erinnerung an die künischen Freibauern den Namen: „Künischer Grenzweg“ Die Hinweisschilder sind versehen mit dem doppeschwänzigen Löwen und natürlich auch in tschechischer Sprache ausgestattet. Der tschechische Name lautet: „ KRALOVSKA HRANICNI CESTA“ (Siehe Bild) Große Freude am „künischen Grenzweg“ ist derzeit nicht mehr zu verspüren, weil sämtliche Schilder –mit Ausnahme auf dem Osser- von Souvenirjägern gestohlen wurden.
 
Der prominenteste Wanderer vom Osser über den „Künischen Grenzweg“ und weiter zum Schwarzen See dürfte wohl im August 1993 der damalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel gewesen sein. Wie damals von allen Medien ausführlich berichtet wurde, war Herr Waigel am Gr. Osser Gast mit ostbayerns Landräten und Bürgermeistern. Im Einvernehmen mit den tschechischen Behörden wurde anschließend mit deren Vertretern die Wanderung zum Schwarzen See unternommen. Unter Führung von Lams Bürgermeister Bergbauer und dem Verfasser dieses Berichtes wurde diese Wanderung eine bleibende Erinnerung. Natürlich gab es den Namen dieser Wanderung damals noch nicht.
 
Nach einer ausreichenden Pause verlassen wir den Gütlplatz und steigen auf zum Gr. Osser. Nach 1 Stunde ständigem Aufstiegs erreichen wir müde und abgekämpft den Osser. (Siehe Bild) Hier oben erwartet uns eine herrliche Fernsicht nach allen Himmelsrichtungen. Im Herbst, bei gutem Wetter, können wir im Süden die Berge der Salzburger- und der Berchtesgadener Alpen sehen.  Auch können wir unseren zurückgelegten Weg bis hinüber zum Spitzberg zurückverfolgen. Bei gutem Wetter erleben wir auf dem Vorplatz des Osserschutzhauses bei einer Brotzeit eine Stunde Rast. Es wäre schön, wenn hier der Tag schon zu Ende wäre. Nein, wir müssen weiter, denn unsere Tour ist erst in Lam zu Ende. Wir verlassen den Osser in Richtung Kl. Osser, vorbei an der künischen Grenzkapelle hinüber auf die „Osserwiese“. Hier hören wir schon wieder den Namen „künisch“. Der Waldverein Lam hat hier vor dem Ossergipfel eine Kapelle erbaut und erinnert mit ihrem Namen an vergangene Zeiten. Die Wertschätzung dieser Kapelle wurde am 5.August deutlich, als dort die „Osserkirchweih“ gefeiert wurde. Auch erinnert
dort ein alter Grenzstein aus dem Jahre 1772 mit dem bayerischen Rautenwappen auf der einen Seite und auf der anderen der doppelschwänzige böhmische Löwe an vergangene Zeiten.
 
Auf der Osserwiese angekommen erleben wir einen der schönsten Ausblicke auf den Lamer Winkel und auf die Bergkette der „acht Tausender“ und des Kaitersbergs, bis hinaus auf die Bergkette zum Donautal hin.
 
Wir haben nicht mehr viel Zeit, denn wir haben bis zum Ende unserer Tour noch ca. zwei Stunden Marsch vor uns. Wir brechen auf hinüber auf den Hauptwanderweg, welcher mit L1, L3 oder „künischer Grenzweg“ ausgeschildert ist. Wir erreichen nach einer guten halben Stunde den Osserparkplatz „Sattel“, überqueren den und marschieren Richtung Maria Hilf. Wenn noch Zeit bleibt ist dort noch Gelegenheit einer kurzen Einkehr in der dortigen Gaststätte oder in der Maria-Hilf-Kapelle. Nach 20 Minuten geht unsere Tour über die Eiszeitseeen, durch das Gebiet der künischen Freibauern und auf dem künischen Grenzweg herüber bis nach Lam zu Ende. Wir haben einen anstrengenden , aber einen erlebnisreichen Tag erlebt. Die Erlebnisse verbleiben in uns als bleibende Erinnerungen.
Wir haben in gut sechs Stunden Marsch etwa 20 km zurückgelegt. Die Beine lassen es uns deutlich spüren.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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